| Demonstration in Berlin |
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Schon lange hatte mich der Gedanke beschäftigt, eine Demonstration in Berlin durchzuführen. Bei unserem Vereinstreffen am 24.5.03 in Bredstedt sprach ich diese Möglichkeit dann an. Wir alle, die an diesem Tag dabei waren, haben uns sofort entschlossen, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen. Am 02.06.03 verschickten wir dann diese Information an alle Mitglieder unseres Vereins und außerdem an die Selbsthilfegruppen, die unserem Verbund angehören. Klar war uns, dass wir nur etwas erreichen würden, wenn wir bundesweit Gruppen in diese Demonstration einbeziehen, um mit einer wirkungsvollen Abordnung in Berlin zu erscheinen. Auf unser Schreiben hin meldeten sich nicht nur die Gruppen, die wir angeschrieben hatten, sondern auch solche, die aus der Zeitung oder von Betroffenen von unserem Vorhaben gehört hatten. Auch die wurden dann mit genauerer Information versorgt. Nachdem uns von denen mitgeteilt wurde, dass auch bei ihnen die Bereitschaft da war, an einer Demonstration Teil zu nehmen, machten wir uns an die weitere Arbeit. Schon am 18.07.03 schickten wir einen Brief an den schleswig-holsteinischen Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang Wodarg MdB und baten ihn um seine Hilfe, damit wir entsprechende Ansprechpartner in Berlin für unsere Anliegen antreffen würden. Sofort erklärte er sich bereit und versuchte, Kontakt zu der Parlamentarischen Staatssekretärin Frau Marion Caspers-Merk aufzunehmen. Dort einen Termin zu bekommen, war schwerer als wir gedacht hatten. E-Mails gingen hin und her und das Telefon wurde durch die ständigen Nachfragen oft heiß. Immer wieder wurden wir vertröstet. Und als wir endlich nach vielen Wochen des Schreibens, Telefonierens und E-Mails hin und her Schickens einen Termin für den 12.10.03 bekommen hatten, wurde der aus Berlin wieder abgesagt. Doch gleich danach klingelte das Telefon wieder und wir bekamen einen neuen Termin, den 10.09.03 genannt - allerdings mit der Bemerkung, dass dies die einzige Möglichkeit sei, überhaupt einen Termin zu bekommen. Also wurde der angenommen, denn uns wurde zugesagt, dass die Staatssekretärin sich eine Stunde Zeit für uns nehmen würde. Inzwischen überlegten wir uns, welches Infomaterial für den Zweck geeignet sei. So erstellten wir dann Handzettel zum Verteilen und Plakate, die, an Besenstielen befestigt, bei der Demonstration herumgetragen werden sollten. Auf dem Handzettel wurde auf unsere Probleme hingewiesen und gleichzeitig unsere Forderungen dargestellt. Auch die Plakate trugen Hinweise auf unsere Bedürfnisse und Probleme. Dann wurde ein Forderungskatalog in Form einer Petition erstellt, den wir unseren Ansprechpartnern in Berlin zusammen mit den Listen der gesammelten Unterschriften überreichen und allen Interessierten aushändigen wollten. Ein Banner aus einem Stück Stoff von 1,50 mal 2,00 Meter wurde mit eindrucksvollen Schriftzügen bemalt und an Stielen befestigt, damit man die Aufschrift gut lesen konnte. Da der Termin jetzt festgelegt war, mussten alle Mitglieder und interessierten Selbsthilfegruppen erneut angeschrieben werden, um ihnen Datum, Zeit und Ort mitzuteilen. Aber auch per Telefon wurden Interessierte informiert. Alle bekamen auch eine Unterschriftenliste, in der sich möglichst viele Menschen eintragen sollten, die diese Demonstration und unseren Forderungskatalog unterstützen. Jetzt musste die Liste der Personen zusammengestellt werden, die mit uns als Gruppe nach Berlin fahren wollten. Die Fahrkarte und die dazu gehörenden Platzkarten mussten gekauft werden, denn wir wollten vermeiden das andere Reisende zwischen uns sitzen, durch deren Duftstoffe wir dann evt. Symptome bekommen könnten. Es gab viel zu bedenken, aber wir haben alles termingerecht geschafft. Zuletzt wurde der Text noch geschrieben, der als Vortrag in Berlin dienen sollte. Guter Dinge fuhren wir dann, zum Teil gemeinsam, los. Es trafen dann ca. 70 Personen in Berlin vor dem Gesundheitsministerium zusammen, von unterschiedlichen Gruppen oder im Alleingang, aus den unterschiedlichste Orten und Städten. Alle bewaffnet mit Plakaten und Banner, was eine eindrucksvolle Kulisse schaffte und auch Wirkung zeigte, denn bevor die angekündigten Politiker erschienen, standen viele an den Fenstern und Türen in dem Gebäude und haben unsere Plakate und Banner betrachtet und gelesen. Etwas früher als angekündigt erschien die Parlamentarische Staatssekretärin Frau Caspers-Merk zusammen mit zwei ihrer Mitarbeiterinnen. Sie war sehr offen für unsere Probleme, machte aber auch gleich deutlich, was sie kann oder auch nicht kann. Unverblümt gab sie zu, dass ihr die Probleme der Umwelterkrankten bekannt sind und das Handlungsbedarf besteht. In Hinblick auf die Kostenübernahme unserer Behandlungen verwies sie als Ansprechpartner auf die Krankenkassenvereinigung, die nach ihrer Aussage dafür zuständig ist. Auch die ambulante Behandlung in Bredstedt, die durch den vertragslosen Zustand mit den Krankenkassen nicht mehr bei den Krankenkassen abgerechnet und dadurch nur noch auf private Rechnung durchgeführt werden kann, wurde von mir angesprochen und zur Diskussion gestellt. Nach Aussage von Frau Caspers-Merk liegt die Aufrechterhaltung von Verträgen in den Händen der Krankenkassen und kann jederzeit geändert werden. Sie selber befürwortet die ambulante Behandlung an Krankenhäusern, was ja auch ein Punkt der Gesundheitsreform ist. Bislang konnten nur Krebskranke und Privatpatienten in Krankenhäusern ambulant behandelt werden, was jetzt geändert werden soll. Uns ist aber klar, dass eine Behandlung nach umweltmedizinischen Gesichtspunkten nicht bezahlt wird, solange wir mit unserer Erkrankung nicht als Kranke mit einer umweltbezogenen Erkrankung anerkannt sind. Wer zahlt denn für etwas, das es nicht gibt? Und in der momentanen Situation, in der nur gestrichen und eingespart wird, ist das Problem noch größer. Aus dem Grund ist unsere Anerkennung auch von größter Wichtigkeit. Das habe ich in der Diskussion auch deutlich gesagt. Betont hat Frau Caspers-Merk, dass sie keine Diagnosen stellen kann, aber dafür der Forschungsauftrag an das Robert Koch Institut vergeben wurde, um die Erkrankung MCS zu erforschen und eine gesicherte Diagnose zu erstellen. Das ist die sogenannte RKI Studie zu MCS, unter der Leitung von Dr. Dieter Eis, um die es bei dem Fachgespräch am 04.09.03 ging, bei dem ich auch anwesend war. Auch dazu habe ich Stellung bezogen und besonders zu dem Thema die tatsächlichen Probleme vorgetragen. Gerade das war uns ein großes Anliegen, damit in der Regierung bekannt wird, dass im Rahmen dieser Studie überwiegend Ärzte forschen und wirken, die keine Anerkennung wollen, sondern eigentlich bestrebt sind, uns als psychisch Kranke hinzustellen. Das war eine Aussage, auf die Frau Caspers-Merk uns das Versprechen gab, sich dafür stark zu machen, dass dort kompetente Ärzte einbezogen werden. Sie sprach die Bitte aus, ihr alle Probleme schriftlich nachzureichen und gleichzeitig Ärzte zu benennen, die kompetent sind und an der Studie mitwirken sollten. Auf weitere Fragen meines Vortrages ging sie sachlich ein und gab für uns verständliche Antworten. Unterbrochen wurde die Diskussion leider einige male durch Personen, die Dinge vorbrachten, die nichts mit unseren Themen zu tun hatten. Es gelang aber immer schnell, das abzuwenden und auf die für uns wichtigen Themen zurück zu kommen. Inzwischen haben wir, wie von Frau Caspers-Merk gewünscht, in einem ausführlichen Schreiben alle Probleme benannt, Studienberichte beigefügt und Ärzte vorgeschlagen, die durch die langjährige Behandlung umwelterkrankter Menschen Erfahrungen gesammelt haben, die aussagekräftig sind. Alle von uns genannten Ärzte kennen die wahren Auslöser unserer Erkrankung. Obgleich auch ihnen die Ursache für die Erkrankung unbekannt ist, sind sie bereit, sich für uns stark zu machen und uns nach ihren Möglichkeiten zu helfen. Jetzt warten wir die Antwort von Frau Caspers-Merk ab, bevor wir entscheiden wie wir weiter vorgehen werden. Hoffen wir gemeinsam, dass unsere Arbeit und unser Einsatz mit Erfolg belohnt wird. Antje Reetz |
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